WEG Tryon: „Wir wollen unsere Team-Medaille zurück“

Interview mit Britta Bando und Bernhard Fliegl zu Zielen und Chancen der Para-Dressurreiter.

Seit Jahren gehören die deutschen Para-Dressurreiter zu den zuverlässigsten Medaillenlieferanten bei Championaten. Von den Europameisterschaften in Göteborg 2017 kehrte das Team von Equipechefin Britta Bando und Bundestrainer Bernhard Fliegl mit insgesamt fünf Medaillen, allerdings erstmals ohne Team-Medaille nach Hause zurück. Das soll bei den Weltreiterspielen in Tryon/USA wieder anders werden. Wer dort für Deutschland reiten wird und welche Ziele sie haben, das verraten die beiden im Interview.

FN-press: Beim letzten Vorbereitungslehrgang in Frechen ist für die Para-Dressurreiter die Entscheidung gefallen, wer die deutschen Farben in Tryon vertreten wird Wer sind die Kandidaten?

Bernhard Fliegl: „Seit vergangenem Jahr dürfen wir ja nur noch vier Reiter entsenden, davon maximal zwei aus demselben (Behinderten-)Grade. Unsere Aufstellung in Tryon setzt sich aus zwei championatserfahrenen Reitern, einer Championats-Wiedereinsteigerin und einer Newcomerin zusammen. Am längsten dabei ist Grade III-Reiter Steffen Zeibig, der unter anderem mit Waldemar schon in London am Start war. 2014 rückte er mit der Rappstute Feel Good als Reservist ins WM-Team in der Normandie nach und war seither jedes Jahr dabei. In Rio gewann er Bronze in der Kür. Bis auf einen kleinen Ausrutscher bei unserem ersten Sichtungsturnier in diesem Jahr in Mannheim – da gab es Probleme mit der Kürmusik – hat er das ganze Jahr 2018 beständig seine gewohnte Leistung abrufen können und ist auch Deutscher Meister. Im vergangenen Jahr er bei den Europameisterschaften ganz knapp Gold verpasst, daher sind unsere Erwartungen an ihn natürlich hoch. 2014 hatte auch Grade I-Reiterin Elke Philipp mit Regaliz Premiere. Seither hat sie meist für das Topergebnis des deutschen Teams gesorgt. Wir wussten zunächst nicht, ob sie in diesem Jahr wieder dabei sein wird, denn sie hat im Frühjahr ihren Mann Werner verloren. Bei der Deutschen Meisterschaft in Bonhomme war sie aber wieder am Start und sicherte sich erneut den Titel. Das Reiten scheint ihr zu helfen, mit dem schweren Verlust fertig zu werden. Elke ist die Einzige im Team, die mit zwei Pferden auf der Liste steht. Neben dem bewährten Regaliz hat sie mit dem Hengst Fürst Sinclair eine echte Alternative, die leistungsmäßig nicht weit entfernt ist. Wieder dabei ist Dr. Angelika Trabert, die wie Zeibig in Grade III startet. Sie war zuletzt 2014 nominiert, konnte aber wegen einer Verletzung ihres Pferdes die Reise in die Normandie nicht antreten. An ihrem Comeback beteiligt ist der achtjährige Diamond’s Shine, der ihr vom Hofgut Rosenau zur Verfügung gestellt wird. Ihn reitet sie bereits seit Anfang 2017. In diesem Jahr haben sich die beiden sehr beständig gezeigt, haben Erfolge in Mannheim, aber auch auf internationalen Turnieren in Holland und Belgien erbracht. Bei den DM in Werder waren sie Zweite hinter Zeibig. Ganz neu dabei ist Regine Mispelkamp, eine Dressurausbilderin und Grand-Prix-Reiterin aus dem Rheinland. Sie ist an Multipler Sklerose erkrankt und hat sich im letzten November bei uns gemeldet. Im Frühjahrn hat sie uns zwei Pferde vorgeritten, wobei uns ihr Erfolgspferd Look at me now besonders gefallen hat. Erfreulicherweise hat aber mit Fürst Fidelis zusätzlich noch eine ausgezeichnete Alternative, die auch als Reserve für die Weltreiterspiele nominiert ist. In Mannheim wurde hat sie direkt ihr erstes Para-Turnier bestritten und dort auf Anhieb gewonnen. Dasselbe gilt für die Deutsche Meisterschaft und das CPEDI in Überherrn. Regine ist aufgrund ihrer Behinderung in Grade V klassifiziert, das ist der Grade für Reiter mit der geringsten Behinderung. Entsprechend hoch sind die Prüfungsanforderungen. Regine ist eine echte Bereicherung fürs Team, denn sie hat auf den ersten Turnieren und im Lehrgang nicht nur starke Nerven, sondern auch Teamfähigkeit bewiesen. Außerdem freuen wir uns, mit Alina Rosenberg eine championatserfahrene Reiterin als erste Reserve zu haben. Sie hat das ganze Jahr über die von ihr bekannten Leistungen erbracht und ist eine gute Alternative. Wir haben es in der Vergangenheit ja leider gesehen, wie schnell auch einmal ein Paar ausfallen kann.“

FN-press: War es schwierig, die Kandidaten auszuwählen? Was ist mit erfolgreichen Reitern wie Hannelore Brenner oder auch Claudia Schmidt, die in den vergangenen beiden Jahren für Deutschland an den Start gegangen ist?

Bernhard Fliegl: „Hannelore Brenner ist nach wie vor die erfolgreichste deutsche Para-Reiterin, die wir bisher hatten. Zusammen mit ihrer Stute Women of the World hat sie zahlreiche Goldmedaillen für Deutschland geholt. Erfreulicherweise hat sie auch gute Nachwuchspferde im Stall, aber es dauert eben seine Zeit, bis diese an die Erfolge ihrer Vorgängerin anknüpfen können. Das wird sicher kommen, braucht aber etwas Geduld. Claudia Schmidt wäre ebenfalls eine potenzielle Championatskandidatin gewesen, aber auch ihr fehlt – aufgrund einer Verletzung ihres bewährten Romeo Royal – ein geeignetes Pferd. Das gilt auch für einige andere, durchaus vielversprechende Nachwuchsreiter. Ein interessantes Paar für die Zukunft ist auf jeden Fall auch Dr. Saskia Deutz, die in diesem Jahr mit Soyala ihren ersten DM-Titel in Grade IV gewonnen hat.“

FN-press: Das hört sich so an, als würde es künftig schwieriger, die Championatskandidaten auszuwählen?

Britta Bando: „Das ist nie einfach. Aber jetzt, wo das Interesse am Para-Sport deutlich gestiegen ist, wird die Auswahl natürlich größer. Das macht es für uns nicht leichter, ebenso wenig wie für die Reiter. Hinzu kommt, dass die ausländische Konkurrenz immer stärker wird, vor allem was die Qualität deren Pferde betrifft. Auch da wird es schwieriger für uns mitzuhalten. Unsere Stärke liegt darin, nicht nur den einen Topreiter zu haben, sondern ein gleichmäßig gutes Team.“

FN-press: Wer sind denn unsere Hauptkonkurrenten in Tryon?

Britta Bando: „Das sind natürlich zum einen die Briten, die bislang immer noch ungeschlagen sind. Aber auch die Dänen und Niederländer waren in den vergangenen Jahren immer stark. Nicht vergessen dürfen wir auch die amerikanischen Gastgeber, die übrigens vorwiegend mit deutschen Pferden in Tryon auftreten. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken. Das motiviert uns. Unser Ziel ist es, die Mannschaftsmedaille zurück zu holen. Und wenn unsere Reiter ihre bisherigen Leistungen in Tryon abrufen können, sollte das auch drin sein.“