Jan Wernke schnappt sich Frankfurt-Sieg und Mercedes

Jan Wernke schnappt sich Frankfurt-Sieg und Mercedes
Flogen gemeinsam zum Sieg im Großen Preis von Hessen - Jan Wernke und seine 17 Jahre alte Stute Queen Mary

Der 30 Jahre junge Jan Wernke aus Holdorf in Niedersachsen hat den Großen Preis der Deutschen Vermögensberatung AG gewonnen.

Begeistert kurvte der Springreiter im nagelneuen PKW mit dem Stern durch die Arena. Da war Queen Mary schon auf dem Weg in den Stall. Die 17 Jahre junge Holsteiner Stute ist ein Spitzenpferd – vermögend, intelligent und wendig. Mit dem Sieg erfüllte sich ein Traum für Jan Wernke, denn der Große Preis der Deutschen Vermögensberatung AG in Frankfurt gehört zu den klassischen großen Prüfungen, von denen jeder deutsche Reiter sagt “man muss sie mal gewonnen haben.”

In höchsten Tönen schwärmte Wernke von seiner Sportpartnerin, die ihm den Sieg im Hauptereignis des Turniers bescherte. “Ich setze sie bewusst etwas weniger ein als mein Erstpferd Nashville”, so Wernke, “sie ist aber fit und frisch und voller Tatendrang.” Kulissen wie die Frankfurter Festhalle mag Queen Mary: “Das ist eine wunderschöne Halle und eine tolle Atmosphäre und es schüchtert sie gar nicht ein – das liebt sie.” Der Springreiter macht wie seine Pferde jetzt erst mal Pause und feiert mit der ganzen Familie Weihnachten.

Stolz und zufrieden war auch die zweitplatzierte Angelique Rüsen, die mit Arac du Seigneur, einem Pferd aus dem Besitz von Judy-Ann Melchior Platz zwei belegte. In Frankfurt hat die im westfälischen Marl lebende Springreiterin ein “Heimspiel”, denn sie ist nahe Herborn aufgewachsen. Zum ersten Mal in Frankfurt und überhaupt zum ersten Mal bei einem internationalen Turnier in Deutschland war Ivo Biessen. Der Niederländer weiß nicht so genau warum: “Mir haben alle gesagt, das es hier sehr schön ist und ich frage mich auch gerade, warum ich es nicht schon eher versucht habe.” Der 30-jährige lebt von der Pferdeausbildung, da ist man gute, junge Pferde auch schnell mal wieder los. Von 45 im Parcours angetretenen Paaren erreichten fünf das Stechen.

Louisdor-Preis für Senta Kirchhoff

Die Einlaufprüfung hatte sie mit L`Arbuste abgebrochen, denn das Pferd war doch sehr beeindruckt von der Festhalle – am Sonntag im Finale des Louisdor-Preises war dann alles anders und die Dressurreiterin aus Menden bei Dortmund zog an allen Mitbewerbern vorbei auf Platz eins. Mit dem neun Jahre alten Oldenburger Wallach L`Arbuste ritt die Westfälin mit 73,22 Prozent auf Platz eins im Grand Prix. “Also ich hatte noch nie ein Pferd wie L`Arbuste”, so Kirchhoff, die halbtags zusammen mit ihrem Mann einen Ausbildungsstall betreibt, “ich hatte schon Erwartungen und insofern war es gut, dass mein Mann mit war, der beruhigt mich immer.”

Lena Waldmann (Werder) eroberte mit dem Fidertanz-Nachkommen Fiderdance Platz zwei vor Insa Hansen (Hagen a.T.W.), die den zehn Jahre alten Rebroff sorgfältig auf das Louisdor-Preis-Finale vorbereitet hatte. Sie war vor wenigen Wochen nachgerückt: “Ich konnte ihn also gut vorbereiten.”

Dr. Evi Eisenhardt, Chefrichterin der Prüfung und Vorstand der Liselott und Klaus Rheinberger-Stiftung, ist sich sicher: “Die Pferde sind alle auf dem richtigen Weg, sonst wären sie hier nicht im Finale, tatsächlich hat es heute aber durchaus ein wenig ´Favoritensterben`gegeben.” So mußte Dorothee Schneider hinnehmen, dass ihr Quantum Vis durchaus eigene Ideen von der Arbeit entwickeln kann, Jessica von Bredow-Werndls Ferdinand BB blieb unter seinen Möglichkeiten und auch Ingrid Klimkes Bluetooth OLD oder Soiree d`Amour mit Kira Wulferding konten nicht auftrumpfen. Ungewöhnlich – gleichwohl ist es ein großer Schritt in den Grand Prix-Sport.

“Johnny” mit Sieg in “Rente”

Wie schon im Grand Prix konnte Isabell Werth auch in der CEECOACH Grand Prix Kür Platzs eins erobern und das obwohl sie ihre Kür zum Ende einfach mal mit “Feliz Navidad” verändert hatte, das Publikum reagierte und Don Johnson FRH dann doch mal kurz irritiert war. Seine anspruchsvolle Kür mit dem Wechsel zwischen Dynamik und Lektionen höchster Versammlung war wie immer ein Hingucker und schon vor dem Ende klatschte man in der Festhalle begeistert mit. Standing Ovations begleiteten “Johnny” und seine Reiterin nach dem letzten internationalen Turnierstart aus der Halle. Ab sofort buckelt der 18 jahre junge Hannoveraner Wallach von Don Frederico-Warkant ganz exklusiv zu Hause herum und bekommt die gleiche Aufmerksamkeit wie bisher.

Dorothee Schneider (Framersheim) wurde mit ihrem Faustus Zweite. Der elf Jahre alte Hannoveraner sei eben ein sehr besonderes Pferd, oft introvertiert und mit sich selbst beschäftigt. Der Start in Frankfurt sei der genau richtige Schritt gewesen. Stolz und zufrieden war Matthias Bouten, der mit dem 13 Jahre alten Meggle`s Boston Dritter wurde. Begeistert gefeiert wurden in der Festhalle die Kür-Kandidaten und mit Riesenbeifall wieder in die Abreitehalle entlassen.

Matthias Alexander Rath stolz auf sein Team

Arbeitsreich waren die vergangenen Wochen, aber all das mache ja letztlich auch den Erfolg aus. “Reiten ist echt leichter”, stellte Turnierchef Matthias Alexander Rath am letzten der vier Turniertage schmunzelnd fest, die die Veranstalter als großen Erfolg verbuchen dürfen. Erstmals wurde der zweite Rang der Festhalle vollständig geöffnet und bescherte dem Festhallen Reitturnier fast 50.000 Besucher. “Wir kratzen heute an dieser Marke”, drückte es Rath vorsichtig aus, der am Sonntag vor allem den Stolz auf sein Team zum Ausdruck brachte, dass so konzentriert und hart gearbeitet hat, um das erstmals in Eigenregie durchgeführte Internationale Festhallen Reitturnier Frankfurt zu einem rundum gelungenen Ereignis werden zu lassen.

Lila Pferd sammelt über 40.000 Euro

Das Lila Pferd, das für die Initiative “Hand in Hand für die Region” auf Reisen ging und an zehn unterschiedlichen Standorten bei Freunden und Förderern Halt machte, hat über 40.000 Euro für das Flüchtlingscafe Milena gesammelt. Dort finden Frauen und Mädchen eine Anlaufstelle für Sorgen und Nöte und einen Schutzraum sowie Hilfe. Erstmals ging das Lila Pferd mit Ann Kathrin Linsenhoff zusammen auf Reisen und fand auf Anhieb und auch noch vor Ort in der Festhalle so viele Freunde und “Futterspender”, das die stattliche, fünfstellige Summe zusammen kam.