DAM Dagobertshausen: Drei Sieger und viele Finalisten

Die Anwärter für die Amateur-Meistertitel in Dressur und Springen sind gesetzt.

Die Finalisten der zweiten Deutschen Amateur-Meisterschaften (DAM) auf der Reitsportanlage Dagobertshausen bei Marburg stehen fest. 30 Springreiter und 15 Dressurreiter werden morgen um die Titel reiten. Der heutige Tag hielt jedoch einige Überraschungen bereit.

So bescherte die zweite Wertungsprüfung der Springreiter, ein Zwei-Phasen-Springen, gleich zwei Sieger, Sylvia Fritsch und Steffen Schott. Doch hatte es kurz zuvor noch eine Schrecksekunde gegeben, die für das heutige Doppel-Gold verantwortlich war. Sylvia Fritsch, die gestern im Sattel von Little Spezi Dritte wurde, stürzte heute in Phase zwei an Hindernis neun. Zwei Helfer aus dem Parcoursteam kamen dem zehnjährigen Westfalen Little Spezi auf seinem Weg zu diesem Hindernis ein wenig zu nah, sodass seine Reiterin ihn nicht auf der Ideallinie zum Absprung halten konnte. Die Distanz passte nicht mehr, der Wallach von Lord Pezi verweigerte den Absprung und seine Reiterin stürzte in das Hindernis.

Pferd und Reiterin blieben zum Glück unverletzt. Richterteam und Parcourschef entschieden, dass Fritsch die zweite Phase im Anschluss als letzte Reiterin noch einmal springen durfte. Die 35-Jährige nutzte ihre Chance und legte mit 30,43 Sekunden die schnellste fehlerfreie Runde in der zweiten Phase hin. „Die letzte Runde war ganz toll, es ist Schicksal gewesen in der ersten Runde“, schilderte Fritsch nach der Siegerehrung. Mit 1,59 Metern Stockmaß ist ihr Pferd, bei dem der Name Programm sei, eher von der kompakten Sorte, doch „er macht das durch seine Galoppade und sein riesen Vermögen wieder wett“, sagte seine Reiterin.

Steffen Schott (Zierwo) wurde zunächst zweitplatziert. Er und sein 15-jähriger Holsteiner Caiser Cash brauchten nämlich mit 30,8 Sekunden einen Wimpernschlag länger für die zweite Phase. Er war zunächst überrascht, dass Fritsch ihre Runde noch einmal wiederholen durfte. „Ich gönne ihr das auf jeden Fall, man will ja nicht, dass jemand unfair behandelt wird“, sagte er nach der Siegerehrung. „Mir geht es vor allem um den Spaß an der Veranstaltung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich morgen mitreden kann“, lautete seine Einschätzung. Da wusste er auch noch nicht, dass er am Ende des Tages ebenfalls Sieger der zweiten Wertung sein würde. Turnierleitung und Richtergremium entschieden aus Gründen der sportlichen Fairness, dass es zwei Sieger in dieser Prüfung geben muss.

Platz zwei in der zweiten Qualifikation holte somit Alisa von Piechowski (Niemegk) im Sattel ihres achtjährigen Holsteiners Let’s Go in 31,47 Sekunden. Rang drei ging an Bertram Laux (Hüttenberg), der mit Valinda, einer 16-jährigen, niederländisch gezogenen Stute, 32,65 Sekunden brauchte. Die 30 besten Pferd-Reiter-Paare haben sich somit für das morgige Finale qualifiziert. Hier starten die Reiter nicht wie im Vorjahr mit weißer Weste, sondern nehmen ihre in den beiden Qualifikationen gesammelten Punkte mit. Somit geht der Meistertitel der Springreiter nicht automatisch an denjenigen, der das finale Springen morgen gewinnt. Aktuell führt Sylvia Fritsch mit 114 Punkten, gefolgt von Alisa von Piechowski mit 106,5 Punkten sowie Katrin Ulrich und Steffen Schott mit jeweils 105 Punkten.

Unverhoffter Sieg im Viereck

Im Viereck hingegen bekamen heute alle, die gestern nicht den direkten Einzug in das Finale schafften, im Kleinen Finale noch einmal die Chance, am Sonntag ihre Kür zeigen zu dürfen. Erfolgreich genutzt haben diese Nadja White (Bremen), Mica Beckmanns (Holzkirchen) und Julia Sachs (Berlin). Das beste Ergebnis erzielte dabei Nadja White vom Landesverband Bremen. Im Sattel ihres erst achtjährigen Mecklenburger Wallachs Cayuno bekam sie 69,39 Prozent von den Richtern. „Ich bin total überwältigt“, freute sich die gelernte Bankkauffrau. „Zumal wir uns nicht einmal direkt für die DAM qualifizieren konnten, sondern Nachrücker in unserem Landesverband waren.“ Gestern noch war ihr Casino Royale-Matador xx-Nachkomme sehr energiegeladen und sichtlich beeindruckt von der Atmosphäre der Reitsportanlage Dagobertshausen, die ihn zu außerplanmäßigen Hüpfern veranlasste.

Seinem zweiten Auftritt sah Cayuno da schon deutlich gelassener entgegen. Besonders schätzt Nadja White die Einstellung ihres dunkelbraunen Wallachs: „Er will immer arbeiten und manchmal, so wie gestern, auch ein bisschen viel“, gibt sie schmunzelnd zu. Seit er vierjährig ist, reitet sie Cayuno und bildete ihn selbst aus. Nun kann sie seine Vorzüge in der morgigen Kür präsentieren, die Finalentscheidung der Dressurreiter bei den DAM. Wie genau die aussehen wird, wusste sie nach der Siegerehrung des Kleinen Finales noch nicht. „Dazu werden wir uns heute Abend im Hotel wohl noch ein paar Gedanken machen“, schildert die 39-Jährige und lachte: „Damit konnte ja keiner rechnen.“

Die zweitplatzierte Mica Beckmanns vom Landesverband Bayern, die im Sattel von Fräulein Bö 69,309 Prozent erreichte, ist ein wenig besser auf das Finale vorbereitet. Denn für sie war der Finaleinzug ein gesetztes Ziel. „Ich bin super glücklich“, freute sie sich über ihr Ergebnis. „Gestern hat es absolut nicht geklappt bei uns, dafür war heute alles super.“ Die Musik zu ihrer Kür hat übrigens ihr neunjähriger Sohn Lasse ausgesucht. „Sie ist schon sehr speziell“, gab Mica Beckmanns schmunzelnd zu. Ihre zwölfjährige Oldenburger Sir Donnerhall I-Freiherr Tochter namens Fräulein Bö hat sie im Alter von sieben Jahren bekommen und bis S-Niveau ausgebildet. „Fräulein Bö ist speziell, aber super. Ein heißes Geschoss.“ Julia Sachs vom Landesverband Berlin-Brandenburg schaffte heute als dritte im Bunde den Finaleinzug. Gemeinsam mit ihrem neunjährigen Hannoveraner Wallach Sam von Sandro Hit-Donnerhall erreichte sie ihm Kleinen Finale ein Ergebnis von 68,171 Prozent.